Stückbeschreibung
Ein dunkler Schatten legt sich über eine scheinbar aufgeklärte Gegenwart, in der Technik und Vernunft das Unheimliche längst verdrängt haben sollten – und doch kehrt es zurück, leise, unaufhaltsam, wie ein vergessen geglaubter Albtraum. Im Zentrum steht Nathalie, eine junge Studentin, deren Geist zwischen nüchterner Realität und düsterer Einbildung zu zerreißen droht. Was als flüchtige Begegnung mit einem mysteriösen Händler beginnt, entfaltet sich zu einem unaufhaltsamen Strudel aus Erinnerung, selbstzerstörerischem Wahn und verhängnisvoller Erkenntnis.
Die Vergangenheit drängt sich mit unerbittlicher Gewalt in die Gegenwart: das Bild des unheimlichen Coppelius, die traumatische Nacht im väterlichen Arbeitszimmer, das unerklärliche Sterben des Vaters. Zwischen kindlicher Furcht und erwachsener Deutung verschwimmen die Grenzen, und Nathalie verliert zunehmend die Fähigkeit, Wirklichkeit von innerem Trug zu unterscheiden. Während ihre Umwelt versucht, das Geschehen rational zu erklären, wächst in ihr die Überzeugung, dass ein finsteres Prinzip ihr Leben lenkt.
In dieser zerrissenen Wahrnehmung erscheint Olimpia – eine Gestalt von betörender Schönheit und zugleich erschreckender Leere. In ihr findet Nathalie vermeintliches Verständnis, eine Spiegelung ihrer Sehnsucht nach absoluter Erkenntnis und bedingungsloser Nähe. Doch diese Nähe ist trügerisch, künstlich, ein Abgrund aus Projektion und Selbstverlust.
Die Handlung steigert sich zu einer beklemmenden Tragödie, in der Liebe, Wahnsinn und Technik unauflöslich ineinandergreifen. Die Frage nach dem Menschlichen wird zur zentralen Bedrohung: Was bleibt von Identität, wenn Wahrnehmung manipulierbar ist? Und wie weit kann ein Geist sich verirren, wenn er sich selbst nicht mehr traut?
So entfaltet sich ein modernes Schauerstück, das die Motive des romantischen Grauens in eine digitalisierte Welt überträgt – ein beklemmendes Spiel mit Blicken, Erinnerungen und der zerstörerischen Macht der Vorstellungskraft.
Ein modernes Schauermärchen von E.T.A. Hofmann für die Bühne bearbeitet von Gloria Breite und Anni Hänel.
Wir haben das über 200 Jahre alte Werk neu verpackt und in die Jetzt-Zeit übertragen. Seid gespannt und gewarnt, denn der Augenschein kann trügerisch sein.
Auf Wunsch stellen wir theaterpädagogisches Material für den Unterricht zur Verfügung.